Eaternity macht’s vor: Essen kann klimafreundlich und genussvoll zugleich sein

Im Herbst 2009 lernte ich Judith Ellens kennen, kurz bevor sie mit ihrem Verein Eaternity im ETH-Physikrestaurant in Science City eine Aktion für klimafreundliches Essen lancierte. Seither haben mich ihr Engagement und ihre Zielstrebigkeit immer wieder von Neuem beeindruckt. Amina Chaudri

 

Text von Judith Ellens: Ihr Weg zu Eaternity – Teil 1:

Dass ich mich heute für klimafreundliche Ernährung einsetze, ist keine Selbstverständlichkeit. Mein Weg zu „Eaternity“ ist nicht geradlinig verlaufen. Zwar haben mich die Liebe zur Natur und das Interesse für sie von klein auf begleitet. Auch macht mir das Experimentieren in der Küche Freude. Diese zwei Dinge hatten für mich jedoch lange nichts miteinander zu tun.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich zwei Entwicklungen durchgemacht habe: eine von der Theorie zur Praxis, und eine zweite vom Fokus auf die Natur zum Fokus auf den Menschen.

Judith Ellens

Judith Ellens

Von der Natur zum Menschen

Ich kam in den Niederlanden zur Welt und wuchs dort auch auf. Im Jahr 2008 zog ich nach Zürich, um mein Masterstudium der Umweltnaturwissenschaften mit Schwerpunkt Ökologie zu beginnen. Davor hatte ich Philosophie und Biologie studiert. Meine Motivation für das Grundstudium war schlicht und einfach die Neugier und Verwunderung über das Leben. Aber während meines Biologie-Studiums waren auch der Klimawandel und die Erhaltung der Biodiversität ein Thema. 

Mir wurde klar, dass es zwar wahnsinnig spannend ist, die Komplexität der Natur zu erforschen, dass jedoch auch dringendes Handeln erforderlich ist, wenn man die Natur erhalten will. Dies zeigt schon nur die Tatsache, dass bereits mehr als 19000 Arten vom Aussterben bedroht sind!

Dass ich für das interdisziplinäre Sonderprogramm zum Thema „Menschen und ihr Lebensraum in längerfristiger sozial-ökologischer Betrachtung“ ausgewählt wurde, hat mich ebenfalls stark beeinflusst. Die Erkenntnis, dass ganze Völker durch Ressourcenübernutzung und/oder Klimawandel untergegangen sind, weil sie nicht flexibel genug waren, um etwas dagegen zu unternehmen, hat meine Sicht auf unsere Welt stark verändert.

Im Unterschied zu diesen Beispielen aus der Geschichte beuten wir unseren Planeten heute auf globaler Ebene aus – und einen Fluchtweg für alle gibt es nicht. Seit ich dies eingesehen habe, habe ich den Wunsch, mich für die nachhaltige Nutzung unserer Ressourcen einzusetzen; für das Überleben und die Erhaltung aller Lebewesen inklusive dem Menschen. Der Mensch ist der Schlüsselfaktor, da wir die dominante Spezies auf der Erde sind und fast überall das Landschaftsbild prägen.

Von der Theorie zur Praxis

Während meines Studiums an der ETH ist schliesslich die Idee zu Eaternity entstanden. Ein Mitstudent organisierte einen Workshop, um Ideen zu sammeln, wie die ETH CO2-Emissionen einsparen kann. Ich überlegte mir also, was eine Ökologin zur CO2-Reduktion an der Universität konkret beitragen kann, und kam zum Schluss: Ich müsste bei der Ernährung ansetzen!

Das Wissen, dass unsere Nahrung schädlich fürs Klima sein kann, verdanke ich dem Studium der Nahrungsketten in der Ökologie. Raubtiere wie Tiger oder Greifvögel ernähren sich von kleineren Tieren, die wiederum noch kleinere Tiere oder Pflanzen essen. Der Ressourcenverbrauch wird vervielfacht, je höher oben ein „Verbraucher“ in der Nahrungskette steht.

Da der Mensch ein Allesfresser ist, haben wir die Wahl, uns von Fleisch oder von Pflanzen zu ernähren, wobei Letzteres ressourcenschonender ist und deswegen weniger CO2 verursacht.

So entstand die Idee, die Besucher der ETH-Mensen zu häufigeren vegetarischen Mahlzeiten zu animieren oder generell weniger Fleisch anzubieten und so CO2 einzusparen.

Am 12. Februar erscheint der zweite Teil: Das lange Ringen um Aufmerksamkeit und Vertrauen.

Weiterführende Links:

Eaternity bei Facebook

Migros Magazin: Artikel über Judith Ellens vom 24.10.2011, Kochen mit Kürbis und Köpfchen

Fotografien von Manuel Klarmann, Eaternity

 

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