Eaternity: Das Ringen um Aufmerksamkeit und Vertrauen

Im Herbst 2009 lernte ich Judith Ellens kennen, kurz bevor sie mit ihrem Verein Eaternity im ETH-Physikrestaurant in Science City eine Aktion für klimafreundliches Essen lancierte. Seither haben mich ihr Engagement und ihre Zielstrebigkeit immer wieder von Neuem beeindruckt. Amina Chaudri

 

Text von Judith Ellens: Ihr Weg zu Eaternity – Teil 2:

Die Besucher der ETH-Mensen zu häufigeren vegetarischen Mahlzeiten animieren oder generell weniger Fleisch anbieten, um CO2 einzusparen: Mit dieser Idee ging ich zum Workshop und arbeitete sie zusammen mit zwei Kollegen aus. Mit Erfolg! Wir bekamen den ersten Preis. Seitdem engagiere ich mich für die Idee, und das Projekt Eaternity ist daraus entstanden.

Eaternity

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Nicht, dass ich das vorgehabt hätte. Ursprünglich wollte ich nur die Idee einführen und jemanden finden, der sie ausarbeitet. Ich sagte mir „Ich bin ja ein Theoretiker. Es gibt Leute, die besser geeignet sind, ein konkretes Projekt umzusetzen“. Sehr schnell begriff ich aber, dass ich mich selbst für die Idee einsetzen musste, wenn sie eine Chance erhalten sollte. Denn trotz positiven Feedbacks fand sich niemand, der das Projekt in Angriff nehmen wollte. 

Kompetente und engagierte Mitstreiter

Auch nachdem ich das Projekt selbst in die Hand genommen hatte, war es das Schwierigste, andere Leute zu überzeugen, sich dafür einzusetzen. Die ersten Monate nach dem Workshop war ich damit beschäftigt, möglichst vielen Leuten von der Idee zu erzählen, Schlüsselpersonen anzuschreiben und zu treffen. Endlich gelang es, ETH-intern Unterstützung zu finden, und zwar bei Prof. Hoffmann vom Departement Management, Technologie und Ökonomie. Einer seiner Promovendi, Nils Lehmann, hat uns intensiv gecoacht und viel zum Erfolg des Projekts beigetragen. In einem zweiten Schritt konnte ich zwei begeisterte Studenten für das Projekt gewinnen: Bigna Stoffel und Manuel Klarmann.

Was mich in der Anfangszeit angetrieben hat, ist sowohl die unermüdliche Unterstützung durch meinen Freund und meine Studienkollegen als auch meine Vision: Ich möchte in einer Welt leben, in der es eine faire und nachhaltige Ressourcenverteilung gibt.

So wie ich es sehe, haben wir genau drei Möglichkeiten, mit unseren Umweltproblemen umzugehen: 1. Man ignoriert sie und hofft, dass sie vorbeigehen. 2. Man verfolgt die Strategie „survival of the fittest“ und zählt darauf, dass man seinen Lebensstandard mit Geld, Macht und Unterdrückung aufrechterhalten kann. 3. Man versucht sein Handeln so anzupassen, dass eine faire und nachhaltige Ressourcenverteilung auf globaler Ebene möglich wird.

Nur die dritte Option ist für mich eine echte Option; die ersten zwei haben eine Welt zur Folge, die ich zukünftigen Generationen nicht hinterlassen möchte.

Erste Etappe geschafft: Die Aktion ETH

Im Sommer 2009 gründeten wir zu dritt den Verein Eaternity. Das war vor allem eine strategische Entscheidung, denn wir wollten das Recht behalten, unsere Arbeit und Forschung weiter zu verbreiten, ganz besonders das CO2-Tool, das wir der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen wollten.

In der Umsetzungsphase herrschte nicht immer eitel Sonnenschein. Einmal wäre unser Projekt sogar beinahe gescheitert! Es war notwendig, verschiedene interne Parteien der ETH sowie den Caterer SV auf unsere Seite zu bringen. Dafür mussten wir das Vertrauen aller gewinnen. Wir mussten sie überzeugen, dass wir als Studenten die Professionalität hatten, ein solches Projekt durchzuziehen. Nachdem uns im Mai das Vertrauen abgesprochen worden war, gelang es uns dennoch, alle Parteien ein zweites Mal an einen Tisch zu bringen und sie zu überzeugen.

Fast ein Jahr Vorlaufzeit und drei Monate intensive Vollzeit-Arbeit hat es gebraucht, das Projekt inklusive Kampagne umzusetzen.

Ende Dezember 2009 war es endlich soweit: Zum ersten Mal wurde während drei Wochen klimafreundliches Essen in einer der ETH-Mensen angeboten. Die Aktion wurde begleitet durch eine Info-Kampagne, an der viele Studenten, vor allem Freunde von mir, mitarbeiteten.

Nach der Aktion an der ETH wurde unser Thema von den Medien aufgegriffen, und seitdem hat die öffentliche Aufmerksamkeit für unser Projekt erfreuliche Ausmasse angenommen.

Am 19. Februar erscheint der dritte und letzte Teil: Weiter wachsen: In welche Richtung?

*Teil 1 der Serie „Judith Ellens über ihren Weg zu Eaternity“ ist am 4. Januar erschienen.

Weiterführende Links:

 

Eaternity bei Facebook

Migros Magazin: Artikel über Judith Ellens vom 24.10.2011, Kochen mit Kürbis und Köpfchen

Fotografien von Manuel Klarmann, Eaternity

 

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