Behindert und erfolgreich? Kein Widerspruch.

Johannes Mairhofer ist freier Fotograf aus München. Er hat durch eine Operation ein Auge verloren. Was für viele von uns nach einem Nachteil klingt, ist in seinem Beruf ein Vorteil: Fotografen schauen durch die Linse einer Kamera und schliessen dabei ein Auge. Wie seine Berufskollegen in diesen Momenten die Welt sehen, so sieht Johannes sie immer. Dadurch kann er meist schneller abschätzen, wie ein Bild durch die Kamera wirkt.

Behindert und erfolgreich. Kein Widerspruch. 

Johannes Mairhofer

Johannes Mairhofer

Kürzlich hat Johannes Mairhofer sein Projekt „Kein Widerspruch“ gestartet. Auf seiner Website stellen sich Menschen vor, die ihr Anders-Sein nicht als Behinderung, sondern als Stärke sehen und nutzen und die erfolgreich im Leben sind. Sie schreiben über ihre Lebensläufe, über ihre Erfahrungen und über ihre Projekte. Die Fotografien der Mitwirkenden sind immer von Johannes.  Weiterlesen…

«Aussteigen – Umsteigen»: ein Buch, das Veränderungen ins Zentrum stellt

Mathias Morgenthaler ist als Journalist für den «Bund» in Bern tätig, seit 2002 als Wirtschaftsredaktor. Er hat in den letzten 16 Jahren über 800 Interviews zu Arbeits- und Laufbahnfragen geführt und in diversen Tageszeitungen veröffentlicht. Die Interviews mit Menschen, die ihrer Berufung nachgehen, regen jeweils viele Menschen zum Nachdenken an. Er ist Autor der Bücher «Beruf und Berufung» (2010) und «Aussteigen – Umsteigen» (2013) und Betreiber des Portals beruf-berufung.ch.

Früher war der Beruf etwas derart Unveränderliches, dass manche ihn noch auf dem Grabstein vermerkten. Heute haben wir alle Freiheiten, uns neu zu erfinden – manchmal werden wir auch dazu gezwungen. Das kann zu erstaunlichen Veränderungen führen:

  • Eine alleinerziehende Mutter jobbt als Kellnerin und Putzfrau in St. Moritz und arbeitet sich über die Jahre zur Luxusimmobilien-Maklerin hoch.
  • Ein Lehrer sucht das Weite, kommt todkrank von seiner ersten Reise nach Borneo zurück und wird später zum führenden Anbieter von Südseereisen.
  • Ein langjähriger Bank-Filialleiter kündigt seinen gut bezahlten Job und wagt ein Jahr später einen Neustart als Tee- und Gewürzhändler.

Solche Geschichten sind es, die meinen Arbeitsalltag so interessant und abwechslungsreich machen. Als Journalist habe ich das Privileg, meine Interviewpartner auszuwählen, ihnen persönliche Fragen zu stellen und daraus eine Geschichte zu machen, die viele andere Menschen erreicht und berührt. Seit 16 Jahren erscheint Woche für Woche ein solches Interview, stets geht es um die Arbeit, um berufliche Veränderung, Erfolg und Erfüllung.

Mathias Morgenthaler

Mathias Morgenthaler

 

In diesen Tagen ist mein zweites Buch zum Thema erschienen, das ich gemeinsam mit dem Berner Coach Marco Zaugg verfasst habe. «Aussteigen – Umsteigen» steht programmatisch auf dem Titelblatt – da muss man sich als Autor natürlich die Frage gefallen lassen, ob man überhaupt etwas von der Materie versteht. Wenn einer seit 16 Jahren brav jede Woche ein Interview mit mutigen Berufsleuten veröffentlicht und dabei stets auf die Infrastruktur und den Lohn seines Arbeitgebers vertraut: hat so einer überhaupt etwas zu sagen zum Thema Aussteigen und Umsteigen?

Wenn ich durch die über 800 Interviews etwas gelernt habe, dann vielleicht folgendes: So sehr wir inspirierende Geschichten brauchen, um in Bewegung zu kommen, so gefährlich ist es, sich mit anderen zu vergleichen in einer Sache, für die es keinen allgemein gültigen Massstab gibt. Eine Akademikerin, die ihre Doktorarbeit liegen lässt und in Rio das Zirkushandwerk lernt? Ein ETH-Student, der mit vegetarischen Restaurants die Schweizer Gastronomie verändert? Ein Spitzensportler, der trotz Querschnittlähmung als Arzt arbeitet und als Pianist auftritt? Das alles sind extreme Beispiele von Veränderungswille und -fähigkeit. Wir könnten uns leicht durch sie entmutigen lassen und bilanzieren: «Im Vergleich dazu bin ich an Ort und Stelle getreten.» Weiterlesen…

Vernetzung von Grosseltern, die ein Enkelkind verloren haben oder deren Enkelkind schwer erkrankt ist.

Sternenkinder-Grosseltern:

Vier Jahre lang begleitete Brigitte Trümpy Birkeland ihren krebskranken Enkel Till – bis zu seinem Tod vor zweieinhalb Jahren. Sie ist die Mutter von Kerstin Birkeland Ackermann, deren Projekt herzensbilder am 20.5. hier im Beitrag „Profi-Fotografen schenken Familien mit schwer kranken Kindern Fotoshootings“ vorgestellt wurde.

Brigitte Trümpy hat fünf Enkelkinder, ihre so genannten Erdenenkel, und den Sternenenkel Till. Der Begriff Sternenkinder wird umgangssprachlich für verstorbene Kinder verwendet. Tag und Nacht waren die engsten Bezugspersonen von Till mit ihm im Spital. Dazu gehörte natürlich auch Brigitte Trümpy.

B. Trümpy Birkeland und Till

B. Trümpy Birkeland und Till

Life is what happens to you while you are busy making other plans. (John Lennon)

B. Trümpy Birkeland und ihre Enkelkinder

B. Trümpy Birkeland und ihre Enkelkinder

Grosseltern werden in solchen aussergewöhnlichen Situationen oft stark beansprucht, sie sind wichtige Stützen, damit der Alltag der betroffenen Familie überhaupt noch funktionieren kann. Grosseltern sind für alle da: für die Grosskinder, für die eigenen Kinder, für das Umfeld. Woher aber nehmen sie die Kraft? Wo und mit wem tauschen sie sich aus? Wer unterstützt sie in dieser Situation? Brigitte Trümpy vermisste oft den Austausch mit anderen Menschen in ähnlichen Situationen. Deshalb lancierte sie das Projekt Sternenkinder-Grosseltern. Von ihrem Wohnort Netstal im Kanton Glarus aus vernetzt sie betroffene Grosseltern in der ganzen Schweiz sowie in Deutschland und Österreich. Sie ist Anlaufstelle bei Fragen, vernetzt, vermittelt und steht in Kontakt mit verschiedenen Fachstellen und Ärzten.

Im nächsten Jahr erscheint ihr Buch über die Geschichte ihres Enkelkindes. Gerne werde ich in meinem Blog darüber berichten.

Brigitte Trümpy freut sich über jede Kontaktaufnahme.

 

Weiterführende Links:

Website Sternenkinder-Grosseltern

Sternenkinder-Grosseltern bei Facebook

Kontakt: brigitt.truempy@bluewin.ch

Artikel im Beobachter von Judith Wyder

Fotografien: Kerstin Birkeland Ackermann

 

Profi-Fotografen schenken Familien mit schwer kranken Kindern Fotoshootings

Kerstin Birkeland-Ackermann weiss aus eigener Erfahrung wie sich stürmische Zeiten auf eine Familie auswirken. Vor zweieinhalb Jahren hat sie ihren Sohn Till nach vierjährigem Kampf gegen den Krebs verloren. In Zeiten, in denen sich Familien im Ausnahmezustand befinden, muss die Energie gebündelt und für das Funktionieren im Alltag eingesetzt werden. Ein Fotoshooting für die Familie zu organisieren, kommt kaum jemandem in den Sinn, obwohl genau diese Bilder für Eltern oder für die Geschwister später wertvolle Erinnerungsstücke wären.

It always seems impossible, until it’s done. (Nelson Mandela)

Im Juli 2012 hat Kerstin Birkeland-Ackermann das Projekt herzensbilder.ch gestartet:

Profi-Fotografinnen und -Fotografen aus der ganzen Schweiz sind einsatzbereit und besuchen Familien mit schwer kranken, behinderten und viel zu früh oder tot geborenen Kindern zu Hause, im Spital oder an einem anderen Wunschort und schenken den Familien wunderschöne Familienfotos.

Logo Herzensbilder

Logo Herzensbilder

Ein Projekt, das mich berührt. Ein Projekt zum Weitererzählen und zum Unterstützen. Ich habe herzensbilder.ch via Twitter entdeckt. Danke herzlich @bkonetschnig !

Weiterführende Links:

Website herzensbilder

herzensbilder bei Facebook

Kontakt: birkeland-ackermann@bluewin.ch

PS: Die Mutter von Kerstin Birkeland-Ackermann verleiht Grosseltern eine Stimme, deren Enkelinnen oder Enkel von einer schweren Krankheit betroffen sind. Auf dieses Projekt gehe ich im nächsten Blogbeitrag ein.

Künstlerische Zwischennutzung: Von zwei weniger medienpräsenten Plätzen in Kairo – Teil 1

Dieser Beitrag wurde von Astrid Thews und Mayada Said verfasst. Die beiden Frauen leben seit mehreren Jahren in Kairo, Ägypten, und haben Anfang 2011 „Mahatat for contemporary art“ mitbegründet – eine Initiative für Kunst im öffentlichen Raum und partizipative Kunstprojekte. Hier auf www.aminachaudri.ch schildern Astrid Thews und Mayada Said Begebenheiten und porträtieren Personen, denen sie in Ägypten durch ihre Arbeit begegnet sind. Die Verfasserinnen erheben dabei keinen Anspruch auf Generalisierung, möchten sie doch vielmehr zu einem differenzierteren Bild über Ägypten beitragen. Im vorliegenden Beitrag in zwei Teilen geht es um die temporäre Verwandlung zweier Plätze in Kairo durch sehr unterschiedliche künstlerische Interventionen.

Vom Tahrir-Platz…

Der wohl bekannteste Platz Ägyptens ist der Tahrir-Platz, von dem in Europa die meisten im Zuge der Revolution des 25. Januars 2011 in den Medien gehört haben. Der Tahrir-Platz ist zentral gelegen (soweit sich das im Falle einer Megastadt mit geschätzten 25 Millionen Einwohnern sagen lässt) und ein Ort voller Symbolik. Er ist zum Schauplatz des Widerstands und Sinnbild teils blutiger Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften geworden. Oft wurde er beschrieben und noch immer taucht er in stillen und bewegten Bildern internationaler Medien auf. Auf Tage und Wochen, an denen sich hier Demonstranten versammeln und für ihre Rechte eintreten, folgen Tage und Wochen, an denen der Platz für den Autoverkehr wieder geöffnet wird und die Menschen hier grösstenteils ihren Alltagsgeschäften nachgehen oder ihn schlichtweg passieren, bis Demonstranten den Ort wieder zurückerobern und ihre Zelte aufschlagen.

… zum Lazoughli-Platz und zum Soliman-Gohar-Platz

Natürlich gibt es in Kairo unzählige weitere grosse und kleine Plätze – wenn auch von erheblich weniger grossem Medieninteresse und geringerer staatspolitischer Bedeutung. Für ihre Anwohner spielen diese Plätze im Alltag jedoch eine grosse Rolle. Um zwei solche kleinere Plätze geht es in diesem Beitrag: um den sogenannten Lazoughli-Platz und um den Soliman-Gohar-Platz.

Der Lazoughli-Platz liegt auf der östlichen Nilseite in der Nähe des Innenministeriums im Stadtteil Mounira. Einst war er vielbefahren, mehrspurig und hatte eine anonyme Ausstrahlung. Ist er heute weniger befahren, so liegt dies offenkundig an den Mauern, die immer wieder in Downtown und Mounira vom Militär oder dem Innenministerium aufgezogen werden, um selbiges oder andere öffentliche Gebäude vor Demonstranten zu schützen oder breite Strassen zu trennen, um Demonstrationen abzubrechen oder zu unterbinden.

Der Soliman-Gohar-Platz befindet sich auf der westlichen Nilseite an der gleichnamigen Strasse, die für ihren günstigen und belebten Gemüse- und Obstmarkt in ganz Kairo bekannt ist. Berüchtigt ist letzterer allerdings auch für Abfallberge, die Anwohner hier lagern, bis sie von Müllkarren abgeholt werden.

Lazoughli-Platz

Lazoughli-Platz

Soliman-Gohar-Platz

Soliman-Gohar-Platz

Der kleine Platz ist vielbefahren, einspurig jedoch, und das gesamte Viertel ist belebt und voller einkaufender Fussgänger. Es herrscht eine eher familiäre Atmosphäre. In der Mitte des Platzes ist eine kreisrunde Grünfläche und um den Platz herum sowie im gesamten Viertel gibt es viele Bäume. Oberflächlich scheinen diese beiden Plätze also nicht viel gemein zu haben. Was die beiden Orte für uns von Mahatat for contemporary art jedoch verbindet, ist, dass wir sie 2012 beide temporär zu Schauplätzen unseres ersten grossen Projektes „Shaware3na“ (zu Deutsch „unsere Strassen“) verwandelten.

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