Den Fokus nicht auf den Schmerz, sondern auf das Schöne richten

Die Bernerin Michelle Zimmermann (32) ist Initiantin und Organisatorin der Miss Handicap-Wahl, die 2009 ins Leben gerufen wurde. Sie lebt mit der Hautkrankheit Epidermolysis bullosa dystrophica. Immer wieder brechen am ganzen Körper Wunden auf, die sie mit Hilfe ihrer Mutter, deren Schwester und der Spitex stundenlang verbinden muss. Ab dem 7. Lebensjahr sind starke Verwachsungen der Hände und Füsse die Folge. Schmerzen begleiten Michelle Zimmermann auf Schritt und Tritt. Die lebensfrohe junge Frau richtet ihren Fokus auf das Schöne am und im Menschen. Ihre Leidenschaften sind das Reiten, der Tanz und ihr Projekt Miss (und neu auch Mister) Handicap.

 

Welches sind Deine Leidenschaften?

Da möchte ich gerne ausholen und zum Thema an und für sich etwas sagen: Ich habe bei mir bemerkt, dass meine Leidenschaften mir Leiden schaffen, und das möchte ich nicht. Ich versuche so zu leben, dass keine Abhängigkeit oder Sucht entsteht. Mein Herz soll für Sachen brennen, die nicht zu einem Leiden werden. Mein Herz schlägt für das Reiten, das Tanzen – da fühle ich mich frei – und für das Projekt Miss & Mister Handicap.

Du kennst keine schmerzfreien Zeiten und Dein Körper benötigt viele Stunden Pflege. Wie sieht Dein Alltag aus?

Mein Alltag beginnt zuerst mit drei Stunden Pflege; die Wunden, vergleichbar mit Brandwunden des 2. – 3. Grades, bedürfen intensiver Pflege. Danach bin ich für den Tag bereit. Am Mittag speise ich das eigentliche Morgenessen, danach kann ich mein Engagement für Miss & Mister Handicap aufnehmen. Manchmal stehen zudem Termine an und ab und zu auch Therapiestunden. Abends ca. nochmals eine Stunde Hautpflege, dann geniesse ich gerne ein feines Nachtessen, wenn es der Zustand meiner Schleimhäute in Mund- und Speiseröhrenbereich zulässt. Nachts kann ich oft gut arbeiten, das sind oft meine Sternstunden.

Michelle Zimmermann

Michelle Zimmermann

 

Seit 1984 hat der Journalist Walter Däpp immer wieder über Dich und über Deine Krankheit im Bund geschrieben; im 2008 wurde an den Solothurner Filmtagen ein Dokumentarfilm über Dich gezeigt. Wie erklärst Du Dir das Interesse an Deiner Person und an Deiner Behinderung?

Ehrlich gesagt kann ich mir das auch nicht erklären, da müsste man die anderen fragen. Aber meine Mutter und ich haben uns stets getraut, an die Öffentlichkeit zu gehen und etwas von uns preis zu geben. Wir haben uns nicht versteckt. Wir haben uns aber auch nie aufgedrängt und haben keine Sensationsgeschichten gesetzt, haben aber stets alle Fragen der Menschen rund um die Krankheit beantwortet. Ich bin wohl nicht 0815, das interessiert.  Weiterlesen…